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Archive for the ‘Mittelstand’ Category

Gründungszuschuss ade – CDU/FDP Verrat an kleinen Unternehmen

16/02/2012 1 Kommentar

Der Gründungszuschuss für Unternehmensgründer wurde zum 27.12.2011 endgültig von einer Pflichtleistung in eine Ermessensleistung umgewandelt – und das mit dem ‚passenden‘ Gesetzesnamen „Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungsschancen am Arbeitsmarkt“ – ganz nach amerikanischem Vorbild mit einer völlig sinnentleerten Betitelung. Mitbekommen hat die Gesetzesänderung wohl, ausser den Arbeitsagenturen und den Politikern selbst, keiner. Somit wird nun ein „gelungenes Förderinstrument“ beerdigt – und kaum eine Zeitung berichtet darüber.

Danke Uschi!


Bild via

Steht die Union etwa nicht mehr zum Mittelstand – der ja schliesslich Deutschland in der Vergangenheit stark gemacht hat und auch weiterhin stärkt?

Gründungszuschuss abgewürgt

Die Verschlechterungen beim Gründungszuschuss zeigten bereits im Januar deutliche Folgen: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ging die Zahl derer, denen ein Gründungszuschuss neu bewilligt wurde, in diesem Monat gegenüber dem Januar 2011 um mehr als die Hälfte zurück. Die Hamburger Arbeitsagentur hat sich sogar eine Reduzierung der Neubewilligungen um 75 Prozent zum Ziel gesetzt. via

Und mit welchem Argument kann dieses „tolle“ Ziel erreicht werden?

„Bereits seit dem 28. Dezember des letzten Jahres ist der Gründungszuschuss von einer Pflicht- in eine vollständige Ermessensleistung umgewandelt worden“, so Dr. Radloff. „Bei dem zunehmenden Fachkräftebedarf in vielen Branchen hängt die Entscheidung für oder gegen die Förderung eines potenziellen Existenzgründers nun hauptsächlich von dessen Vermittlungschancen ab. Besteht aktuell ein Bedarf an Fachkräften in der Berufsrichtung des Bewerbers, hat natürlich die Vermittlung auf die offenen Stellen in den Unternehmen absoluten Vorrang.via

Mit anderen Worten: Gibt es eine freie Stelle – die irgendwie auf deinen Beruf passt – dann gibt es keinen Gründungszuschuss. Evtl. kommt man mit etwas Kreativität doch noch an die Fördergelder. Die Zeit und die Gerichtsurteile werden es vermutlich zeigen. :-)

Danke Uschi, danke CDU, danke FDP – Danke für den Verrat am Mittelstand!

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Geplante Obsoleszenz

Warum gehen eigentlich ständig dieselben Sachen kaputt? Liegt es daran, dass man sie falsch benutzt? Liegt es an dem zu geringen Know-How des Herstellers? Oder sollte man sich einfach damit abfinden. Die Antwort ist in meinen Augen schockierend: Geplante Obsoleszenz.

Die geplante Obsoleszenz ist Teil einer Produktstrategie. Beim Herstellprozess werden in das Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt. Das Produkt wird schnell schad- oder fehlerhaft, kann nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden und muss ersetzt werden. via

Ein wirklich zu empfehlender Film zu den Hintergründen und letztlich auch den Ausmaßen der Wegwerfgesellschaft zeigt eine Doku namens „Geplante Obsoleszenz – Kaufen für die Müllhalde“:

Das „Beste“ Beispiel im Film bietet die Glühbirne. Im Film ist die Rede von einer Glühbirne in einem amerikanischen Feuerwehrgebäude in Livermore, die seit mehr als 110 Jahren brennt, ohne kaputt zu gehen. Hier ist ein Vimeo Filmchen zu der 100 Jahres Feier der Glühbirne. (Wie oft bin ich schon auf die drecks Leiter geklettert um eine kaputte Lampe auszutauschen? ARGHHH!!!)

Longest Burning Lightbulb in the World from Richard Jones on Vimeo.

Vom Azubimangel und der Suche nach dem Schuldigen

Während es im Juni noch hiess…

Deutsche Wirtschaft hat Azubi-Mangel
Ob bei Kaufleuten, Köchen oder Mechatronikern: Es mangelt an Nachwuchs. Die demographische Entwicklung und die wieder anziehende Konjunktur führen dazu, dass derzeit 30.000 Lehrstellen offen sind. via

… sieht man vier Monate später warum das so ist:

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland geht einer Studie der IG Metall zufolge an der jungen Generation vorbei. Rund 54 Prozent der Erwerbstätigen unter 25 Jahren sei prekär beschäftigt, das heißt in Leiharbeit, befristeten Jobs oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage von TNS Infratest ergab. IG-Metall-Vize Detlef Wetzel sagte, dies seien neun Prozentpunkte mehr als im Krisenjahr 2009. Bei den Erwerbstätigen unter 35 Jahren liege der Anteil immer noch bei 30 Prozent. via

Und der Grund für den hohen Anteil an „prekär Beschäftigten Jugendlichen“? Die Schäbische Zeitung gibt (zumindest für den Südwesten) eine Antwort:

Stuttgart (dpa/lsw) – Die Unternehmen im Südwesten beklagen sich immer heftiger über die Bildung und Disziplin von Schulabgängern. 71 Prozent der Betriebe bescheinigten in einer am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten Umfrage vielen Schulabgängern «mangelnde Ausbildungsreife». Jede Sechste der rund 2700 von der Industrie- und Handelskammer befragten Firmen konnte nach eigenen Angaben nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Die Zahl derer, die sich über das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen der potenziellen Auszubildenden beschweren, ist seit 2007 zwar um 13 Prozentpunkte gesunken – sie liegt aber immer noch bei 53 Prozent. Über mangelnde Disziplin beschweren sich 45 Prozent der Betriebe (2007: 37 Prozent). via

Zusammenfassung:
Schuld für den Azubimangel sind die Jugendlichen selbst.

Alles unproduktive Ausländer, diese Azubis!

Auch ich war übrigens mal Azubi. Klar gibt es Härtefälle, aber ich denke, dass mind. 90 % lernwillig wären, wenn man ihnen konkret etwas zeigen würde… Im Endeffekt ist die Gesellschaft (= wir alle) schuld, die es nicht schafft, oder auch nicht schaffen will, ihre Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten.

Sparen wie die Schwaben – ein Negativbeispiel

Die Ravensburger Molkerei Omira hat im großen Stil holländischen Käse als Käse vom Bodensee verkauft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen gegen die beiden Geschäftsführer der größten baden-württembergischen Molkerei. via

Da schaut man, dass man Produkte aus der Region kauft und dann wird man so verarscht. Um das Ganze noch zu toppen gibt es noch dieses interessante Detail als Sahnehäubchen obendrauf:

(…) Die Ergebnisse der Untersuchung lagen ein halbes Jahr beim Landratsamt in Ravensburg, bevor sie an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergegeben wurden. (…)

Fusionen Fusionen und nochmals Fusionen

Wenn das so weitergeht gibt es in ein paar Jahrzehnten nur noch Großkonzerne. Hier Beispiele aus der Tagespresse:

Landesbanken:

Eine der Großbaustellen der Finanzkrise sind die Landesbanken. Nach spektakulären Fehlspekulationen mussten einige mit Steuermilliarden gestützt werden. Nun dringt der Finanzminister auf Fusionen. via

Schifffahrtsreedereien:

Die Schifffahrt rechnet mit einer wachsenden Zahl von Unternehmenszusammenschlüssen. „In der Branche wird diskutiert, ob kleine Reedereien eine Zukunft haben oder nicht“, sagte der Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert. via

Bäckereien:

Die kleinen Bäcker dagegen verlieren immer mehr an Boden. Statistisch gesehen schließt jeden Tag ein Betrieb. Von den vor 50 Jahren existierenden 55000 Bäckern sind nur noch 14500 übrig. via

Länderebene:

Die Fusion der Länder Berlin und Brandenburg ist das erklärte Ziel der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). via

Krankenkassen, Landkreise, Firmen und und und… Ich habe mal im Studium in Volkswirtschaftslehre gelernt, dass ein Monopol oder ein Oligopol für eine Volkswirtschaft überwiegend negative Auswirkungen hat (teure Preise, künstliche Verknappung, Preisabsprachen). Daher gibt es ja die Kartell Wächter auf EU Ebene, die nach einem Verstoß bestimmte Strafen (meist recht gering) verhängen können.
Unsere Regierung und die EU scheinen jedoch genau diese Politik in Richtung Oligopol in jeder Hinsicht umzusetzen.

Denkt mal darüber nach, an welchen Punkt wir beispielsweise in 10 Jahren angekommen sein könnten.

Industrie vs. Rating Agenturen

Deutschlands Industrie begehrt gegen die Macht der internationalen Ratingagenturen auf. (…) Zuletzt hatten bereits die DAX-Konzerne Adidas und SAP Anleihen begeben, ohne sich von einer Ratingagentur bewerten zu lassen. Weitere prominente Fälle sind Otto, Solarworld, Celesio oder Stada. Bislang verzichteten aber vor allem solche Firmen auf ein Rating, die zuvor noch keine Bonds begeben hatten. Dass – wie im Fall Dürr – ein Unternehmen sein Rating aufgibt, ist dagegen sehr selten und ein Alarmsignal für die Bonitätsfirmen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch. (…) via

Immer mehr große, bekannte Unternehmen pfeifen also auf die Rating Agenturen. Doch Warum gibt es eigentlich diese Agenturen? Der Markt der bekannten, privaten und gewinnorientierten Unternehmen ist ziemlich überschaubar, denn es gibt gerade mal drei wirkliche Konkurrenten (S&P, Moody’s und Fitch), die eigentlich alle ziemlich nach denselben Kriterien bewerten… Diese Agenturen haben sehr viel Macht, denn das Ratingergebnis entscheidet letztlich die Kosten (Zinsen) eines Kredits. Je höher das Risiko eines Zahlungsausfalls, desto höher die Zinsen für die Kapitalgeber. Dies hat natürlich gravierende Auswirkungen auf die Unternehmen, die ein schlechtes Rating bekommen.
Gerade deutsche Unternehmen sind eher für eine nicht sonderlich hohe Eigenkapitalquote bekannt und müssen dementsprechend tief in die Tasche greifen. Die großen Firmen, die im FTD Artikel beschrieben werden, beschaffen sich Ihr Fremdkapital in Zukunft also lieber über Privatinvestoren.
Irgendwie deckt sich diese Vorgehensweise nicht wirklich mit dem Grundgedanken von Basel I und Basel II.

(…) Ziele sind, wie schon bei Basel I, die Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung von Instituten und die Schaffung einheitlicher Wettbewerbsbedingungen sowohl für die Kreditvergabe als auch für den Kredithandel. (…) via

Ich denke zu diesem Thema wird demnächst noch einiges an Gesprächsbedarf und v.a. Klärungsbedarf bestehen. Denn eins ist sicher: Der deutsche Mittelstand zahlt bei Basel II ordentlich drauf. Es werden also sicherlich noch weitere Firmen nachziehen!